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Auf zur Allgäu Ranch als Saisonabschluss 25.09-27.09.2008








Aus dem Schussental durch schwäbisch Kulinarien nach bayrisch Schwaben mit der Organisation ?Wanderreiten in Oberschwaben???Jahre später.

Fast! Dieses Mal sind keine 2 Jahre sondern ?nur? 11 Monate vergangen, um nun über diesen Ritt ein wenig zu erzählen und vor allem dies Zeilen fertig zustellen.
Am letzten Septemberwochenende, genauer gesagt, vom 25.09-27.09.2008 starteten wir wieder zum traditionellen ?rounding up? der Wanderreitsaison, in 3 Tage von Meckenbeuren zum Sternwanderritt nach Wolfratsberg bei Obergünzburg in bayrisch Schwaben (Allgäu).
In diesem Jahr hatten wir uns erstmals zu viert auf den Weg gemacht, zu Fritzi, Ingrid und mir hatte sich noch meine Frau Tina gesellt. Am Donnerstag morgen starteten wir gegen neun Uhr über Liebenau, Alznach / -Weiher in Richtung Waldburg. Unser erstes Nachtquartier hatten wir nicht wie bislang bei Kißlegg, sondern in Karsee ?gebucht?, sodass wir zeitlich nicht zu eingeengt waren. Unser anfängliches idealstes Reitwetter änderte sich schon nach kurzer Zeit. Von dort an plagte uns ein eisiger Ostwind direkt in unsere Gesichter.
Unsere erste Mittagstation bei Kurt Siegel (Station 20) in Siberatsreutebei Waldburg erreichten wir nach 17 km gegen 12.30 Uhr, genug Zeit um ?aufzutauen?(- nach dem ersten Glühwein in diesem Jahr und das schon im September!-), in aller Ruhe zu ?schlemmen?, was wir in vollen Zügen auch zu genießen verstanden. Von Siberatsreute nach Karsee ist?s nur noch ein ?Katzensprung?, aber für unsere bayrischen Freunde hatten wir noch einen nicht ganz alltäglichen Programmpunkt vorbereitet; die Besichtigung der Waldburg.
Als heimischer Schwabe kennt man natürlich diese alten Gemäuer und die vom Turm aus einzigartige Aussicht über das ganze Schussental bis hin zu den Schweizer Alpen, aber die historische Kopfsteinsteige mit den eigenen Vierbeinern zu erklimmen, wie einst die ehrwürdigen Rittersleute, tja, das war schon was ganz Besonderes (inzwischen ist der Zugang geteert; Anm. d. Red.).
Da die Heimat von Fritzi ähnliche historische Schmankerl verbirgt und er solche Wege bei den Freilichtspielen ?Trenck der Pandur vor Waldmünchen? selbst mit seinem Pferd Topas als Akteur einst im Galopp erzwang, war die ?Begeisterung? ersichtlich, als wir den steilen und ungriffigen Weg im Schritt und dazu auch noch zu Fuß hinauf kraxelten. Wir waren noch keine fünf Schritte auf Schusters Rappen gegangen, ertönte es von hinten: ?I bin doch koan Wanderreiter sondern a Wanderreiter?. Ein breites Grinsen konnte ich mir mal wieder nicht verkneifen. Wie man sieht, in der Betonung liegt die Musik! Tina und ich wussten schon, worauf wir uns eingelassen hatten, den steilen mit Kopfstein gepflasterten Aufstieg erklommen wir bereits als wir nachgefragt hatten, ob wir mit den Pferden kommen dürften, was auch nicht unbedingt selbstverständlich war?..
Im Burghof angekommen, war Pferdehüten Tinas und meine Aufgabe, während sich Ingrid und Fritzi in der Burg tummelten. Der Friede war nicht von langer Dauer, weil es schon bald zu Diskrepanzen zwischen unsere Schimmelstute Fatima und Wespen, Wildbienen oder Ähnlichem kam. Zum Glück waren Fritzi und Ingrid wegen der witterungsbedingt schlechten Aussicht bald zurück, denn direkt über uns befand sich in einer Mauerwerksnische das Nest dieser Biester. Zudem wurde der Himmel immer dichter und Regen kündigte sich an. Somit machten wir uns weiter auf den Weg, weiterhin geplagt vom eisigen Wind im Gesicht, ohne im Gasthaus Sonne in Edensbach eine Pause einzulegen und einzukehren. Wir ritten auf dem direktesten Weg über Berg, Zeihers in Richtung Karsee. An der Teufelssteig (vom Teufel hören wir auf diesem Ritt immer wieder) holte uns dann der Nieselregen ein.

Die Teufelssteig, ich will sie mal so beschreiben, ist ein Paradies für kletterbegeisterte Wanderreiter, von weit oben hör ich noch den Fritzi: ??so a Graiz, scho widar z?Fuaß ganga?, bestückt mit einigen Hindernissen durch umgestürzte Bäume und das auf dem schmalen Pfad, auf dem eine Wendung mit den Pferden nicht gerade einfach gewesen wäre. Manchmal ist?s von Vorteil, mit Ortskundigen vorab etwas zu plaudern, (erfahrungsgemäß ist hier auch etwas Fingerspitzengefühl in der Glaubhaftigkeit der Personen gefragt, da man schon mal auf die falsche Fährte gelockt werden kann) wenn nämlich Matthias am Tag zuvor nicht gesagt hätte, dass die Teufelssteig mit den Pferden zu bewältigen sei, hätte ich den Karten nach einen anderen Weg gewählt. Na ja, unten angekommen, war es nur noch einen Kilometer bis zur Abendstation von Matthias Spies (Station 27). Bis wir dort angelangt waren, hat es auch schon aufgehört zu regnen, sodass wir in aller Ruhe und trocken unsere Pferde absatteln und versorgen konnten. Für jedes Pferd stand eine eigene Box im Stall bereit. Die erste Tagesetappe mit ca. 30 km war geschafft.
Tip Top, Mathias musste zwar noch arbeiten, lies sich aber durch uns nicht stören. So konnten wir tun und walten als wären wir daheim. Das Reiterstüble war schon gut eingeheizt, sodass unsere Madis das Nachtquartier für die Zweibeiner, Fritzi und ich das der Vierbeiner einrichten konnten. Fertig mit der Arbeit wollten wir uns dem gemütlichen Teil widmen und das im nahegelegenen Gasthof der Familie Glatz (auch eine Wanderreitstation) in Mitten des Ortes. Da diese leider geschlossen hatte, hatte es uns in den Nachbarort nach Leupolz in den Landgasthof Sonne verschlagen. Dorthin konnten wir uns nur zufällig mobilisieren, da wir uns mit meinem Vater zu seinem Geburtstag zum Abendessen verabredet hatten und der natürlich auch erst dort hinfahren musste. So hatten wir eine Mitfahrgelegenheit.

Dieser Gasthof gehört dem kulinarischen Bündnis ?Landzunge? an, welches sich hier und da zusammen mit dem ?Wanderreiten in Oberschwaben? präsentiert. Die Not konnten wir gleich als Tugend verbuchen: Schweizer Wurstsalat mit Bratkartoffel und Spiegelei hört sich einfach an, viele kriegen das aber einfach nicht richtig hin. Hier war es jedenfalls ein Schmankerl, welches nur selten getoppt werden kann! May, war das lecker! Alle waren sich einig, hier waren wir nicht das letzte Mal zum Essen. Fritzi meinte, unser Moto für diesen Ritt ist nicht Woher?- Wohin?, die Frage, die jeder kennt, der schon einmal mit Gepäck im Sattel in fremden Regionen unterwegs war, sondern: ?Unter dem Himmel Kulinariens?. Warum nicht?! Ziele zu setzen, die realistisch erreichbar sind, bringen immer wieder neuen Schwung in die Reiterei, wie im richtigen Leben halt auch! Wir waren uns wieder mal einig. Nun galt es, das Ziel zu erreichen. Die Weichen hierfür hatte ich auch für den Rest des Rittes gestellt. Ich wollte nicht wieder eine Bauchlandung erleben wie das 2006 der Fall war. Einen ganzen Tag umherirren, ohne dass eine Mittagstation aufzufinden war. Nein, diesmal hatte ich alle Stationen reserviert. Als wir wieder zurück beim Matthias waren, war es schon sehr spät, sodass Mathias sich schon längst schlafen gelegt hatte. Dasselbe taten wir, nachdem wir noch einmal bei den Pferden nach dem Rechten geschaut hatten.

Am nächsten Morgen wurden wir entgegen den Wetterprognosen mit dicken Regenwolken und starkem Ostwind überrascht. Beim ausgedehnten Frühstück hatten wir noch genügend Zeit zum Quatschen und uns weitere Tipps für unsere Tagesetappe geben zu lassen. Mathias war voll im Element, ich glaube, er wäre gerne selbst mitgeritten. Er ist doch auch begeisterter Wanderreiter! Na, das Wetter lud eher ein, um weiterhin sitzen zu bleiben, aber nun mussten wir uns sputen! Unsere nächste Mittagstation hatte nur wegen uns geöffnet und angesagt waren wir auf 13 Uhr. Verabschiedet wurden wir von Matthias mit einem kleinen kurzen Getränk und wir starteten beim beinahe schlechtesten Wanderreitwetter, nur noch Regen fehlte. Man konnte kaum die Karten halten, mal waren sie nach vorne, dann wieder nach hinten geknickt, man hätte die Karten geradezu auf ein Brett tapezieren müssen, um sie vernünftig lesen zu können.

Unsere Route führte uns heute über Langenhalden, Buchen, Schurtannen, Zaisenhofen, Unterrot, Herot nach Willeratzhofen Bad (Weiher). Nach ca 1.5 Stunden hatten sich die Wolken verzogen. Es hatte den Anschein, als wäre es auch denen zu kalt geworden. Wir hatten bald strahlend blauen Himmel, allerdings immer noch den eisigen Ostwind im Gesicht. Das war in etwa die Zeit, als wir auf Kißlegg bzw. Zaisenhofen zugeritten waren. Nach den Karten sollte der Weg, und ich meine einen richtigen Weg, durch weite grüne Wiesen führen und mit 2 festen Brücken versehen sein. Na ja, ein Stückchen weiter war der Weg da, die erste Brücke dann auch noch, aber dann die zweite halt nicht mehr. Irgendwie kam mir das doch bekannt vor bei dieser Strecke. Immer wieder gehen die Brücken aus, diesmal auch noch der Weg?. Egal, mittlerweile weiß ich, an dieser Stelle war es ein Zusammenspiel aus Differenzen zwischen den Karten und der Realität (Update) zum einen und einem klassischen ?Verreiter? zum andern. In Höhmühle bei Herrot, kurz vor dem Ellerazhofer Weiher, eine Herausforderung für Ross und Reiter; als wir entlang einiger kleiner Fischweiher geritten waren, gelangten wir zum dazugehörigen Gehöft, wo wir bereits erwartet wurden. Den Eindruck konnten wir jedenfalls gewinnen, als uns eine Herde Ziegen und Böcke gegenüber stand. Die machten nicht gerade den Eindruck, als wollten sie uns den Weg frei machen, nein, vielmehr wollte sich mein Sam mit einem Spin, wusste bis dahin nicht einmal, dass er das kann, von denen verabschieden, nachdem er nahezu Auge in Auge von einem dieser Riesen fast in Trance hypnotisiert wurde. Tina war bereits abgestiegen und schimpfte ungemein mit dem Chef der Herde, ganz schön mutig, denn Tina musste dabei nicht einmal nach unten schauen, nein, Auge um Auge, ?.


Einzigartig, wie vom Gaisenpeter und der Heidi geführt, verzogen sich dann die Zwei- und Vierhörner, als hätten Sie uns Ihre Daseinsberechtigung kund getan, sodass wir den Hof passieren konnten. Bis heute wissen wir noch nicht, mit was Tina dem Bock drohte, jedenfalls muss es etwas sehr, sehr Schreckliches gewesen sein! Unsere Pferde waren nun etwas nervös geworden und schon war die nächste Herausforderung ein paar hundert Meter weiter zu bewältigen. Wir zogen bereits eine ganze Weile durch das Allgäu. Bekanntlich gehören zum Allgäu auch die Jumpen, wie man hier die Rindviecher nennt und genau diese sind unserer Fatima ?besten Freunde?. Die Gaisen zuvor hatten ihr keine Schwierigkeiten bereitet, Rindviecher hingegen gehen schon gleich gar nicht! So eine Zicke! Irgendwann war das dann auch durchgestanden, nachdem Tina wie eine Mama ihr Kindlein an diesen ?Bösewichten? vorbei geführt hatte. Nun war das Ziel nach 15,5 gerittenen km greifbar, das Gasthaus Hecht, idyllisch direkt am Weiher gelegen. Pünktlich auf die Minute!

Da, wie schon erwähnt, das Gasthaus nur wegen uns geöffnet hatte, hatten wir genügend Platz für unsere Pferde. Im Schutze des angrenzenden Hügels befanden wir uns auf der Lee-Seite des Ostwindes, sodass wir für unsere Vierbeiner einen optimalen Ruheplatz ausgemacht hatten. Ein gemütliches Mittagsmahl hatten wir uns redlich verdient. Unsere Wirtin, verstand es vom ersten Augenblick an, unsere Wünsche von den Lippen abzulesen. ?Habt ihr schon einmal Cordon Bleu nach Südtiroler Art gegessen? Nein? Dann empfehle ich diese Köstlichkeit im Gasthaus Hecht am Ellerazhofer Weiher zu genießen.? Südtiroler Art bedeutet, anstatt mit irgendeinem Kochschinken mit einem Räucherschinken südtiroler Art und anstatt mit einem nichtssagendem Käse mit original Bergkäse gefüllt. Ein Gaumenschmaus und auch hier wieder das Bündnis ?Landzunge?! Unser diesjähriges Motto schien aufzugehen, aber noch ist nicht aller Tage Abend!

Nach dieser ordentlichen Stärkung setzten wir unseren Trip in Richtung Leutkirch fort. In der Ebene zwischen der Autobahntrasse und Leutkirch hat uns noch einmal der eisige Ostwind so richtig zu schaffen gemacht. Wie sich mein Hut dann im Zusammenspiel aus Trab und Windböen auch noch verabschiedet hatte, war die Schadenfreude meiner Reiterfreunde nicht zu übersehen, letztendlich ging es ja um eine Runde Willi. Nicht dass ich zu geizig wäre, auch wenn ich ein eingefleischter Schwabe bin, nein, eigentlich wollte ich mir nur die Blöße nicht geben. Ein ungeschriebenes ?Wanderreitgesetz? lautet: Wenn jemand vom Pferd aus etwas verliert oder wenn jemandem etwas vom Pferd herunterfällt, so wird diese Person zu einer Runde ?Schadenersatz? verurteilt. Wenn es demjenigen gelingt, das Verlorene oder Hinuntergefallne ohne fremde Hilfe oder Hilfsmittel und ohne den Erboden zu berühren selbst wieder aufzuheben, so wird ihm diese Runde erlassen. Pfff - Selbstverständlich konnte ich vom Pferd aus den Hut vom Erdboden auflesen! Ist doch klar! Das letzte Mal, als ich mich zu solcher Akrobatik hinreisen ließ, war ich noch richtig jung, das wiederum ist schon Jahrzehnte her und da hatte ich auch noch meine alte Stute Piroschka, die sowieso jeden Blödsinn mitgemacht hatte! Die Freude meiner Freunde über den hinuntergefallenen Hut wandelte sich schon bald in lange und enttäuschte Gesichter, als ich alter Mann den Hut dann vom Rücken meines Sams aus doch ergreifen konnte, ohne den Erdboden zu berühren. Selbstverständlich gab es den Willi hinterher trotzdem! Schon bald hatten wir das Industriegebiet erreicht und konnten uns in dem dahintergelegenen Wald vor den Windböen in Schutz bringen, noch eine Stunde und wir haben unser Abendlager erreicht.

Als wir nach einer Tagesetappe von 34 Reitkilometern bei Familie Hehn in Beyschlechts angekommen waren, wurden wir aufs herzlichste empfangen. Nun galt es die Paddocks aufzubauen, die Pferde zu füttern und tränken, natürlich auch unsere Nachtquartier im Hänger und im Auto aufzubauen und unser Outfitt einigermaßen salonfähig zu gestalten. Mittlerweile war die Nacht eingebrochen und wir wurden hungrig. Um zur nahegelegenen Gaststätte ?Zum Stiel? in Ausnang zu gelangen und unser Abendlager so belassen zu können, bekamen wir von Familie Hehn ein Auto. Auch in diesem Gasthof wurde unser Gaumen vom Feinsten verwöhnt. Das ländlich-gemütliche, gut bürgerliche Gasthaus lud zum längeren Verweilen geradezu ein. Da wir aber den lieben langen Tag über wie die ?Schlosshunde? gefroren hatten und dann in die warme Stuben kamen, ?zog es uns regelrecht die Beine weg?. So waren wir schon bald wieder am Lager und legten uns schlafen. Nicht einmal mehr einen kleinen Absacker, direkt ab in die Haia!

Am nächsten Morgen wurden wir von Sonnenstrahlen geweckt, glaubte ich zumindest. Überzeugen konnten wir uns hiervon erst, nachdem wir die Autotüre geöffnet hatten, da die Fensterscheiben dick mit Eis belegt waren - im September, unglaublich! Nach einer kurzen Dusche und einem ausgedehnten Frühstück für Pferd und Reiter wollten wir uns sputen, aber immer wieder hatten wir uns mit Hehns verratscht. Letztendlich kamen wir gegen halbelf, elf vom Hof. Herr Hehn hatte sich netterweise bereit erklärt, unser Gespann direkt zur nächsten Abendstation zu fahren, so mussten wir dies nicht auch noch am Abend erledigen. Unsere nächste Station, Mittagessen in Schrattenbach. Das Gasthaus dort hat über Mittag bis 14 Uhr geöffnet. Genaugenommen war dies fast nicht zu schaffen. Auf gar keinen Fall konnten wir uns einen ?Verreiter? leisten. Großer Vorteil: Vor dem Illertal lagen auf unserer Strecke kilometerlange, gute und weiche Wege, die sich für ausgedehnte Trabstrecken angeboten hatten. Den Pferden hat dies wohl auch sehr viel Spaß bereitet. Die trotteten im Trab so vor sich hin und nicht eines von ihnen kam ins Schwitzen. Wir wurden ja auch ?luftgekühlt? wie ein alter Dieselmotor. Vor dem Illertal hatte ich gut aufzupassen, ein Abzweig zu früh und wir müssten die Serpentinen auf der asphaltierten Straße zur Iller hinunter kraxeln. Wir fädelten dann bei Ehrensberg zum sehr steilen Abstieg nach Oberau ein. Auf meine Frage, ob wir absteigen sollen, hörte man von hinten nur ?I bin a Wanderreiter ond koan Wanderreiter!? Okay, Okay, wäre das also auch geklärt, hab ja verstanden; das wäre sonst auch nicht der Fritzi?.

Zu einem Bergab gehört bekanntlich auch ein Bergauf. Kurz nachdem wir in Unterau die Iller überquerten, ging es dann bei Tiefenau wieder richtig zur Sache. In diesem Waldstück wurde wahrscheinlich das Bergsteigen erfunden und so richtig kalt war es obendrein! Oben angekommen, konnten wir unseren Vierbeiner nur eine kurze Verschnaufpause gönnen, da es einerseits zu kalt war und sie sich erkälten hätten können und andererseits die Zeit davonzulaufen drohte. Geschätzte 1 3/4 Stunden Reitzeit bis zur Mittagstation in Schrattenbach und es war schon kurz vor 13 Uhr, ab 14 Uhr schließt das Gasthaus. Im Zeitalter der Mobilkommunikation war es uns wenigsten möglich, mit den Wirtsleuten Kontakt aufzunehmen. Letzte Chance! Ich hatte das Mittagessen gleich vorbestellt unter der Vorraussetzung, dass wir es bis spätestens 14.15 Uhr schaffen am Tisch zu sitzen. Nach 22 Reitkilometern hatten wir es geschafft! Wir wurden schon von der liebenswürdigen Wirtin erwartet und kaum saßen wir am Tisch waren auch schon die Getränke und das Essen aufgetragen. Echte Spitzenklasse und wirklich richtig lecker, noch dazu nach Feierabend der Wirtin! Unsere Vierbeiner dankten uns ihre Pause, indem sie schon gleich unter den schattenspendenden Kastanien einschliefen, denn mittlerweile hatte der Wind etwas nachgelassen und die Temperaturen wurden angenehmer. Viel Zeit konnten wir uns nicht mehr lassen, denn noch ein anstrengendes und anspruchsvolles Gelände stand uns bevor. Mit einer Runde leckeren Kaffee bedankten wir uns noch herzlichst bei der Wirtin für die tolle und nicht gerade selbstverständlichen Geste.

Die Pferde getränkt und mit ?Leckerli? versorgt ging?s dann zum Endspurt: Begleitet wie von ?Don Quichottes ( auch Quijotes oder Quixote) Windmühlen?, das Allgäu ist in diesem Landstrich übersäht mit diesen Windrädern zur alternativen Stromerzeugung, führte uns der Weg ständig bergauf und bergab nach Liebentann in das Tal der östlichen Günz. Das Ziel war schon greifbar. In der Nähe der Ortschaft Berg angelangt konnten wir auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht bereits unser Abendlager erkennen, Luftlinie waren es nur noch ein paar hundert Meter. Aber die von uns aus sehr tief gelegene östliche Günz galt es zu überqueren, das hieß 150 Höhenmeter nach unten und natürlich auf der gegenüberliegenden Seite wieder nach oben! Ich war voran gegangen und wie ich mich nach hinten umgesehen hatte, traute ich meinen Augen kaum ?De Fritzi isch vom Gaul g?falle? dachte laut vor mich hin. Die Folgen hierfür wären von fatalem Ausmaß. Auch hier wieder ein ungeschriebenes Wanderreitgesetz lautet wie folgt: Unangekündigtes Verlassen des Pferderückens ist nicht erlaubt und wird mit einer ?Entschädigung? der begleitenden Reiterfreunden geahndet (hierbei kommt der Gedanke an den Hut von gestern Nachmittag wieder auf). Und dann im ?ungeschriebenen Kommentar? der da lauten könnte wie folgt: Vor dem Absteigen ist dies durch ein lautes und deutliches ?Ich steige ab? anzukündigen. Gleiches gilt beim ?ungewollten? Absteigen. Es gibt nur eine mir bekannte Strecke, die der Fritzi, wie in den vorangegangenen Zeilen sicherlich schon deutlich wurde, auf Schusters Rappen zurücklegt, den Abstieg vom Kreuzhaus nach Vorderfelling ( zwischen Straubing und Cham / bay. Wald ), von 890 auf 540 Höhenmeter auf ca 4 km Luftlinie. Diese Strecke ist bekannt für blaue Flecken am Hintern, da es nicht jedem gelingt, den gesamten Abstieg auf den Beinen zu bleiben. ? I bin doch koan Wanderreiter??., Fritzi war wohl doch freiwillig abgestiegen, ebenso Ingrid und Tina, nur die Ankündigung war nicht bis zu mir gelangt. Nach dem Überqueren der östlichen Günz konnten wir getrost wieder aufsteigen und uns dem Endspurt widmen, den Aufstieg am Teufelstisch. Auch an dieser Steig hätte man das Klettern erfinden können. Nur Hörner hatten unseren Vierbeiner noch gefehlt, um berittenen Gämsen zu gleichen. An dieser Stelle zeigt es sich, wie wichtig die Höhenlinien in den Karten sind. Zwei Kilometer in der Waagerechten gemessen können so zum stundenlangen Hindernis werden, wenn man denen nicht die entsprechende Bedeutung beimisst.

Nach dem Endspurt mit 15,3 km hatten wir es geschafft. Das Ziel, 99,55 km (gemessen mit einer topographischen Software) in 3 Reittagen war erreicht. Wir alle, natürlich einschließlich unserer Vierbeiner, waren gesund und munter angekommen. Es ist immer wieder ein sehr schönes Erfolgsgefühl, wenn alles so glatt abläuft, keine Verluste zu beklagen sind und wenn es allen viel Freude bereitet hat. Als wir auf der Allgäu Ranch angelangt waren, wurden wir schon gleich von Sugus und Norbert herzlich in Empfang genommen und unseren Paddocks zugeteilt, die, wie jedes Jahr, fix und fertig aufgebaut und hergerichtet waren, so groß, wie manche Weiden nicht, mit knöchelhohem Gras, soweit das Auge reichte. Der Sugus meinte, so ungefähr 100 Pferde und wir wären noch nicht die Letzten! Unser Gespann, das von Hehns hier her gefahren wurde, stand auch schon bereit! Die Pferde abgesattelt, mit Decken versorgt, da sie vom Aufstieg noch nicht ganz abgetrocknet waren und es schon wieder frisch wurde, dann noch mit einer ordentlichen Portion Kraftfutter gefüttert, konnten ihren verdienten Feierabend genießen. Für uns Reiter hieß es nun, ?auf in die Abendgarderobe und ab zum Countryfestl? in den Saloon in der nebenan gelegenen Scheune von Hubers Allgäu Ranch.

Mit unzähligen Helfern geben sich die Hubers jedes Jahr sehr viel Mühe, sodass sich jeder wohlfühlt. Mit großem Engagement wird dekoriert, gehämmert, genagelt und was weiß ich alles, um das richtige Flair entstehen zu lassen, unterstrichen von einer Country-Band, die den Cowgirls und Cowboys immer so richtig einheizen. An dieser Stelle noch einmal ein Lob und ein herzliches Dankeschön an all die Helfer, die zum Gelingen dieser Veranstaltung immer so tatkräftig beitragen und hoffentlich lange beitragen werden. Die Lunch-Theke bot wie jedes Jahr für jeden Geschmack etwas Leckeres. Bis in die frühen Morgenstunden dauerte es, bis mit jedem ein ?kleiner Ratsch? abgehalten war. Was bis dort hin nicht bequatscht werden konnte wurde aufs morgendliche Frühstück verschoben. Nach einer sehr schönen, unterhaltsamen und vor allem langen Nacht bis in die frühen Morgenstunden blieb nicht all zu viel Zeit zum Schlafen, da wir schon bald durch blendende Sonnenstrahlen geweckt wurden. Auch beim Frühstück konnte jeder wieder nach Herzenslust schlemmen. Von herkömmlichen ?süßen Frühstück? über herzhaft?deftiges Frühstück bis zum original bayrischem Frühstück (Weißwürstl mit Hendelmaier, Brezeln und Weißbier), sogar die ?Nordlichter? fanden hier ihr Frühstück bei frischen Heringsbrötchen, angerichtet mit dick Zwiebeln belegt, für jeden Geschmack gab es eine große Auswahl.

-Unter dem Himmel Kulinariens-
Nach dem Frühstück hatten wir uns nunmehr bei schönstem Wetter auf der Allgäuranch die Beine vertreten und einen Großteil unserer Bekannten mit den besten Glückwünschen bis zum Wiedersehen im neuen Jahr verabschiedet. Ja, dies ist wie ein Jahreswechsel, die Saison neigt sich dem Ende! Gemach machten wir uns übers Aufräumen und Packen her, verluden die Pferde und dann hieß es auch für uns Abschied von unseren bayrischen Freunden zu nehmen und uns auf den Heimweg zu begeben. Wieder einmal ein gelungener Abschluss einer Wanderreitsaison.

Am 24.09.09 starten wir dann erneut zur Allgäuranch nach Bayrisch Schwaben!
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